Jazz Pistols

Wenn eine Jazzband sich in Anspielung auf die Punklegende um Johnny Rotten "Jazz Pistols" nennt, legt sie damit listig eine falsche Fährte. Die drei aus Heppenheim, die sich diesen Namen gaben, sind alles andere als Rotzlümmel des Jazz, sondern hochbebildete Musiker mit herausragenden technischen Fähigkeiten. Die Jazz Pistols spielen Rockjazz, Jazzrock, "Fusion" auf höchstem Niveau, und es fällt schwer zu glauben, daß die Band erst seit einem Jahr existiert, so kompakt, exakt, komplex ist ihr Spiel. Man stelle sich die junge Pat Metheney Group vor, angefeuert von einem Drummer, der gerade mit 180 die Rock-Garage verläßt, angetrieben von einem Bassisten, der scheinbar mühelos bei Stanley Clarke und Jaco Pastorius gelernt hat, und angeführt von einem Gitarristen, dem das virtuose Spiel seines großen Vorbildes Metheney wohl etwas zu süß und gefällig ist und der deshalb tief ins Arsenal der Hardrock- und Heavy-Metal-Waffen greift. Die Jazz Pistols spielen mit einer solchen Wucht, daß es mal wieder richtig Spaß machte, zwei Stunden lang einem "Fusion"-Konzert zuzuhören - glänzend aufpoliert von den exzellenten Musikern Stefan Ivan Schäfer an der Gitarre, Christoph V. Kaiser am Bass und Thomas Lui Ludwig an den Trommeln. Die Namen sollte man sich merken: Selten wohl paaren sich Könnerschaft und Spielfreude so wie an diesem Abend im Sinkkasten.

06. März 1997 - Frankfurter Rundschau