Kraft mit Köpfchen "Jazz Pistols" lassen eine intelligente Fusion hören

Munter draufloszuballern gehört nicht zu ihrer erklärten Absicht. Durchschlagskraft erhalten die musikalischen Geschosse der "Jazz Pistols" dennoch auf durchaus intelligente Art. Das Trio aus dem Rhein-Neckar Raum wurde vor drei Jahren gegründet und ist ausgezogen, die Welt des Fusion mit frischen Impulsen zu versorgen. Die Musiker tun es kraft virtuoser Technik mehr als durch klangüppige Kraftmeierei, durch komplexe Stilwechsel eher als durch monotone Einheitsgrooves. Beim Auftritt der "Jazz Pistols" in der Hambacher Maxburg gab es davon Starkes zu hören. Anspruchsvoll strukturierte Nummern hat das Trio im Repertoire - die meisten aus eigener Feder, aber auch von Jaco Pastorius oder John Scofield. Ein kraftvoller Jazzrock, der durch gescheite Stilwechsel geprägt wird, der arrangierte Passagen spannend in die Improvisationen einfügt. Kräftige Unisonothemen entladen Stefan Ivan Schäfer (E-Gitarre) und Christoph Victor Kaiser (E-Bass), das gibt den Improvisationen den geeigneten Drall. Und lange repetierte Gitarrenriffs machen den Weg frei für für die energiereichen Drum-Soli von Thomas Lui Ludwig. Der Jule-Neigel-Drummer befeuert sein Set fast unablässig mit polyrhythmischen Schlagfolgen, was den instrumentalen Drive ganz gehörig erhitzt. Verzwirbelte Bebopthemen erhalten in dieser Fusion rockige Qualität, umgekehrt wird geradeaus losgehender Gitarrenrock harmonisch anspruchsvoll aufgeladen. Das Inventar virtuoser Hardrock-Techniken hat Stefan Ivan Schäfer bestens drauf - diese nutzt er freilich als Stilmittel unter vielen, um das Ausdrucksspektrum zu erweitern. Da wird furios übers Griffbrett gewirbelt, und dazwischen fährt immer wieder mal die volle Breitseite verzerrter Akkorde hinein. Und mit Wah-Wah Pedal lässt Schäfer zuweilen Farben und Expressionen mächtig aufquellen. Klare Sounds und unverzerrte Soli gab es daneben. Eine gutklingende Musik zusammen mit Christoph V. Kaisers warmen, voluminösen E-Bass, bald schmiegsam melodiös, bald knallig funky. Und die detailreichen Drums füllen die Klänge mit rockigem Impuls und Druck. Der Fusion-Topf ist abwechslungsreich gefüllt. Vitaler Funk und dunkle Bluesepisoden fahren herein, deftiger Hardrock mischt das Einschmiegsame wieder auf. Starke Spannungen wurden geschürt durch Rhythmus und Klangwechsel und so virtuos auf die Höhepunkte zugetrieben. Stimmungsvolle Balladen gab es daneben, die eingängige Melodik onrnamentreich durchzeichnet, poetisch und luftig leicht. Und immerzu kam das gestisch Unbeschwerte der "Jazz Pistols" mit zupackendem rhythmischen Druck daher.

02. Februar 1998 - Die Rheinpfalz