Viel Abwechslung

Fusion-Trio Jazz Pistols in der Alten Feuerwache

Jazzrock gibt es nicht oft bei der IG Jazz in der Mannheimer Alten Feuerwache. Da man nun aber aus technischen Gründen in die Halle ausweichen musste, bot es sich an, lautere Klänge auszufahren. Zudem kommen die Jazz Pistols aus der Region und schicken sich an, die Welt des Fusion mit frischen Impulsen zu versorgen. Das Trio in der Jazzreihe vorzustellen, war also naheliegend. Virtuose Technik feiert Triumphe in dieser Musik. Anspruchsvoll arrangierte, komplex strukturierte Nummern hat das Trio im Repertoire - die meisten aus eigener Feder. Ein kraftvoller Jazzrock, geprägt von gescheiten Stilwechseln, der komponierte Passagen spannend in die Improvisationen einfügt. Kräftige Unisonothemen entladen Stefan Ivan Schäfer (Gitarre) und Christoph V. Kaiser (Bass), das gibt den Improvisationen viel Drall. Kaiser demonstrierte auf seinem sechssaitigen Elektrobass eine ungewöhnliche Technik. Den Bass spielte er mitunter kaum anders als ein Keyboard mittels beidhändigem "Fingertapping" auf dem Griffbrett. Die Linke griff voluminöse Basslinien, die Rechte brachte filigrane Melodien zum Tönen. Zweistimmiges, Mehrstimmiges, Kontrapunktisches - immerzu entwickelte Kaiser komplex verschachtelte Strukturen. Warm schwingende Muster von großer Dichte unterlegte der Bassist diesem Jazzrock. Virtuos verschränkte Grundtöne oder Ostinati, die in komplexer Rhythmisierung pulsierten. In solchem Anspruch war sich Kaiser einig mit den energiereichen Schlagfolgen von Thomas Lui Ludwig. Der Jule-Neigel-Drummer befeuerte sein Set fast unablässig mit polyrhythmischen Schlagfolgen, was den istrumentalen Drive ganz gehörig erhitzte. Verzwickte Metren wie ein 15/16tel-Takt waren keine Seltenheit in dieser Musik. Verzwirbelte Bebopthemen erhalten in dieser Fusion rockige Qualität, umgekehrt wird geradeaus losgehender Gitarrenrockj harmonisch anspruchsvoll aufgeladen. Das Inventar virtuoser Hardrock-Techniken hat Stefan Ivan Schäfer bestens drauf - diese nutzt er freilich als Stilmittel unter vielen. Wechselnde Sounds aktiviert er, um seinen rockig treibenden, bald flirrenden Läufen die passende Farbe zu geben. Schöne Balladen fanden sich im Repertoire ebenso wie entspannte Latin- oder Bluesnummern. Untermischt von vitalem Funk, raffinierten Rhythmus- und Klangwechseln: Der Fusion-Topf war abwechslungsreich gefüllt.

13. Juni 1998 - Die Rheinpfalz