Neue Impulse für den Jazzrock

Energiereiche Musik mit den Jazz Pistols im "Haus" in Ludwigshafen

Wer im Jazzrock-Genre Aufsehen erregen will, der muss neben einer virtuosen Technik auch über originelle kompositorische Ideen verfügen. Zwei Vorraussetzungen, mit denen das 1995 gegründete Trio Jazz Pistols reichlich gesegnet ist. Beim Auftritt im Ludwigshafener "Haus" stellten die Pistols einmal mehr unter Beweis, dass sie zumindest auf nationaler Ebene keinen Vergleich zu scheuen brauchen.
Bis auf die beiden Jazzrock-Standards "Birdland" und "Spain" spielte das Trio Eigenkompositionen, die sich durch anspruchsvolle Arrangements, komplexe Strukturen auszeichnen. Vieles ist da durchkomponiert, aber stets ist auch Platz für Spontanes und Überraschendes, bleibt immer noch genügend Raum für ausladende improvisatorische Exkursionen. Intelligent inszenierte Spannungsmomente und Reibungsflächen prägen die Musik der Jazz Pistols, die demnächst wieder auf Einladung des Goethe-Instituts auf Afrika-Tournee gehen.
"Energy-Jazz" nennen die drei Musiker selbst ihre Musik und das ist treffend. Geradezu explosiv war das vorwärtstreibende Spiel des Jule-Neigel-Drummers Thomas Lui Ludig, der knifflige Metren und polyrhythmische Schlagfolgen mit verblüffender Leichtigkeit produzierte. Ludwig ist ein Powerhouse-Drummer, der sich aber nicht kraftmeierisch auf Kosten seiner Bandkollegen in Szene setzt, sonder stets mannschaftsdienlich agiert und seine Kollegen zu spannunggeladenen Interaktionen einlädt.
Sein Spiel war eng verzahnt mit dem melodiösen und rhythmischen Licks und Patterns, die Stefan Ivan Schäfer (Gitarre) und Christoph Victor Kaiser (Bass) ihren Instrumenten entlockten. Kaiser nutzte seinen Bass dabei sehr variabel, entwickelte unablässig den Gruppensound prägende rhythmische und harmonische Strukturen. Auffällig ist die ungewöhnliche Spieltechnik des Musikers, der auf seinem sechssaitigen Elektrobass mit beidhändigem Fingertapping komplex verschachtelte Ostinato-Figuren schuf. Mächtig groovende Linien spielte er mit der linken, während die rechtte Hand gegenläufige Figuren setzte.
Über ein breites klangliches und expressives Spektrum verfügt Gitarrist Stefn Ivan Schäfer. Kraftvolle und aggressive Power-Riffs gehörten ebenso zu seinem stilistischen Repertoire wie melancholieverhangenes Akkord- und Melodiespiel, spieltechnisch höchst anspruchsvoll waren die Licks und Phrasen, die er in seinen Soli melodisch stringent weiterentwickelte.
Die Individualstile der Musiker ergänzen einander vortrefflich. Mit ihrem Ideenreichtum und dem Vermögen, diese Ideen spieltechnisch auch umzusetzen, verleihen die Jazz Pistols dem mitlerweile auch schon altgedienten und oft schon totgesagten Jazzrock wieder neue Impulse.

Christian Gaier
17. Februar 2004 - Rheinpfalz