Interview Jazz Pistols

In Sachen Fusion macht den Jazz Pistols keiner mehr was vor. Das hochenergetische Trlo ist nicht mehr zu bremsen. Mit der neuen CD "Three On The Moon" starten die Musik-Astronauten ins All. Gitarrist Stefan Ivan Schäfer plaudert aus, was wichtig ist.

Kompliment zum Cover, die Montage mit dem Astronautenbild von Armstrong & Co. ist wirklich gelungen.

"Wir haben auch geschmunzelt. Einige Leute fragten uns: Wo habt ihr die Raumanzüge her? Es sieht total echt aus. Großes Lob an den Graphikdesigner, Christophs Bruder."

Wann sind die CD-Aufnahmen entstanden?

"Wir haben die CD letztes Jahr im August im Klangstudio Leyh eingespielt, waren aber etwas unter Zeitdruck, weil Christoph ab September sein Stipendium am Berklee Coliege Of Music in Boston antrat. Es mußte so schnell wie möglich passieren und so locker wie mšglich, was ja eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Wir haben das aber gut hinbekommen. Im Januar kam unser Gastsþnger Rosevelt nach Deutschland, um 'Second Feeling' aufzunehmen. Er hat mit vielen namhaften Künstlern zusammengearbeitet, bei Mariah Carey als Support gesungen. Christoph hatte ihn in Boston kennengeiernt. Markus Born war unser Toningenieur, er hatte schon die erste CD '3 On The Floor' gemixt und gemastert."

Wie habt ihr euch getroffen?

"Mit Christoph habe ich früher in einer Fusion-Band zusammengespielt. 1995 hatte er einen Aushilisjob mit einer Reggae-Band in der FH Ludwigshafen. Bei der Gelegenheit hat er Lui Schlagzeug spielen gehört und ihn prompt angehauen. Lui hat auch Interesse an Fusion gezeigt, konnte aber bisher kein Projekt realisieren, weil er gut mit der Jule Neigel Band zu tun hatte. Die erste Probe hat dann geklappt."

Im Bereich Fusion gibt es viele Richtungen, in die man gehen kann. Hattet ihr bald einen gemeinsamen Nenner gefunden?

"Beim ersten Jammen spielten wir ein paar Duo-Stücke von Bela Fleck vor, einem Banjo-Spieler aus den Staaten. Das hat Lui gut gefallen. Klar, dann kamen natürlich Nummern von Scofield, Dennis Chambers und Billy Cobham. Es hat uns allen drei viel Spaß gemacht, und wir wollten uns damit nþher auseinandersetzen. Von da an ging es wirklich Schlag auf Schlag. So kamen die ersten Gigs und die erste Studioproduktion. Mittlerweile proben wir einmal pro Woche und arrangieren gemeinsam. Jeder ist ein wichtiges Drittel für die Band. Wir schreiben Stücke, Lui bringt ungerade Rhythmen ein, und Christoph hat eine geniale Tapping-Technik für sein Ba§spiel entwickelt. So entsteht unser gemeinsamer Sound. Dazu hat jeder von uns ein gutes Übungspensum. Man muss sich selbst auch weiterentwickeln."

Ein Trio ist eine relativ sparsame Besetzung trotzdem enthält eure Musik eine Wahnsinns-Power, auch auf CD.

"Live ebenso. Wir haben versucht, als Trio in dieser Musik eine Nische zu finden. Lui kam auf die Idee, das Ganze 'Energy Jazz' zu nennen."

Ihr wollt das Trio-Konzept beibehalten?

"Im Moment besteht nicht der dringende Wunsch, das zu ändern, aber ich mšchte es auch nicht ausschließen, dass man sich irgendwann jemanden dazuholt. Erst mal wird das Trio so bleiben. Die Konstellation ist auch in anderer Hinsicht praktisch: in bezug auf Gagen, man hat bessere Transportmöglich-keiten, komplettes Equipment samt Personen passen in ein Auto. Eine Anlage brauchen wir nicht, mit Verstärkern sind wir laut genug."

Wer sorgt für die Auftritte?

"Im Moment machen wir das Booking zum großen Teil selbst. Es ist ein undankbarer Job aber ein notwendiges Übel, wenn man davon leben will. In diesem Zuge müssen wir uns auch bei Alex Merck bedanken: Seit einem Jahr sind wir bei seiner Plattenfirma Lipstick Records, die uns mit CD-Produktion und Werbung unterstützt hat."

Wo kann man euch live hören?

"Wir werden von Clubs gebucht, die Rock und Blues bringen, und spielen auch in Jazzclubs, von denen es - glaube ich - nicht mehr so viele gibt, die ausschließlich Jazz bieten. Veranstalter müssen heute auch schauen, dass sie andere Sachen im Programm haben. Der Jazz hat leider bei zu vielen Leuten ein negatives Image, weil sie irgendein Gedudel damit assoziieren oder Leute, die mit dem Hammer auf dem Klavier herumschlagen."

Das Jazzpodium hat eure erste CD mit viel Begeisterung aufgenommen. Betrachtet ihr euch als Jazz-Formation?

"Wir haben Stücke im Programm, die jazzy klingen. 1996 wurden wir vom Jazzthing zusammen mit drei anderen Gruppen zu den Jazz-Newcomerbands des Jahres erklärt. Trotzdem sind wir keine Dogmatiker. Wenn man nicht offen bleibt, ist man irgendwo am Ende. Man kann sich nicht mehr weiterentwickeln. Unsere Prämisse ist: Wenn es uns gefällt, ist es okay."

Kann man abschlie§end sagen, da§ es aufwärts geht mit den Jazz Pistols?

"Wir sind die letzten, die etwas dagegen haben."

Interview: Marion Fluck

Mai 1999 - Feedback